Die Sache mit den Stromtankstellen

Von wegen brandneue Technik: Bereits vor über 100 Jahren experimentierten Tüftler wie Werner Siemens oder Ferdinand Porsche mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Als Konkurrenz zur Benzin-Kutsche geriet das Elektrofahrzeug jedoch aus den gleichen Gründen ins Abseits, die bis heute Kopfzerbrechen bereiten: schwere Batterien und lange Ladezeiten. Mit der Lithium-Ionen-Technik haben Akkus inzwischen jedoch einen Stand erreicht, der dem E-Autos zumindest im Stadtbereich einen zweiten Frühling bescheren dürfte.

Lange Ladezeiten für Elektroautos

Doch ob damals oder heute: Ist die Batterie leergefahren, muss das Elektroauto erst mal eine gewisse Zeit an die Steckdose. Und das klingt einfacher, als es ist: Die 15 bis 20 kWh nachzuladen, die ein Kleinwagen auf 100 Kilometer benötigt, dauert über eine normale Haushaltssteckdose nämlich sechs bis acht Stunden. Wer sich einen Drehstromanschluss, wie er für Herde verwendet wird, in die Garage legt, kann die Zeitspanne immerhin auf unter zwei Stunden drücken.

Zu wenig Ladestationen und Stromtankstellen

In manchen Wohngebieten liegt die Garagenquote jedoch nur bei einem Drittel. Die Mehrheit der Fahrzeuge parkt hier auf der Straße. Daher arbeiten viele Autohersteller mit Energieversorgern zusammen, um ein Netz an öffentlichen Ladestationen aufzubauen. Bei Pilotprojekten sind das allein in Berlin Daimler und RWE, Volkswagen und Eon sowie Vattenfall und BMW, die im Bezirk Treptow bereits die erste Ladestation für den E-Mini eröffnet haben. Damit die Elektroautos zukünftig auch an den Zapfsäulen der Mitbewerber nachladen können, kooperieren die Hersteller in Fragen, wie Stecker oder Ladestationen aussehen sollen. So will eine im Herbst von RWE und Daimler initiierte Arbeitsgruppe bis Mitte April erste Ergebnisse präsentieren.

Ladestecker für Elektroautos soll genormt werden

Neben den drei Deutschen haben sich rasch Renault-Nissan, PSA, Fiat, Volvo, Ford, GM, Mitsubishi und Toyota sowie europäische Energiekonzerne angeschlossen - teure Fehlentwicklungen möchte sich momentan niemand leisten. Dank der breiten Unterstützung dürfte die Arbeitsgruppe also den zukünftigen Standard für Elektro-Ladestationen definieren. Mit großer Wahrscheinlichkeit läuft es auf einen fünfpoligen Stecker hinaus (dreiphasig, 400 Volt), wobei das Anschlusskabel lose im Auto gelagert werden soll. Einheitliche Andock-Positionen am Fahrzeug sind jedoch nicht geplant. Mit bis zu 40 Kilowatt Ladeleistung verfügen die Stationen in Deutschland über genügend Reserven, um 100 Kilometer Reichweite in deutlich unter einer Stunde nachladen zu können.

Situation in Österreich

Wenn man auf die österreichische Homepage 'elektrotankstellen.net' klickt, findet man dort zwar über 1.900 Einträge.  Der dort zu 95% angegebende Beisatz "Öffnung nach telefonischer Vereinbarung" bedeutet aber auch, dass man 12 Stunden vorher bzw. am Vorabend bereits seine genaue Fahrstrecke kennen muss. Und selbst dann weiß man nicht, ob diese "Tankstellen" (z.B. Stecker über den Zaun gelegt) tatsächlich in Betrieb sind, wenn man vorort eintrifft und aufladen möchte.
Ergo: Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass wie bereits in Deutschland die EVUs bzw. deren Partner ein flächendeckendes Netz an Stromtankstellen planen und errichten, denn nicht jeder EV-Benutzer hat zuhause eine eigene Garage.


[quelle: stromfahren/pp, auto motor und sport]