Synthetischer Sound für Elektroautos: Pro und Kontra

24 Nov 2009

 Bei langsamer Fahrt sind Elektro-Pkw fast gar nicht mehr zu hören. Dürfen Autos so leise sein? Die neue Elektroautowelt wird anders klingen als das gewohnte Brumm-Brüll-Röhr klassischer Verbrennungsmotoren.  "Straßenverkehrslärm gefährdet die Gesundheit. Er wird europaweit für 50.000 Todesfälle jährlich verantwortlich gemacht", sagt Werner Korn, Mitglied des Bundesvorstands des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Mit jedem Elektroauto, dem laut allgemeiner Einschätzung fast aller Industrieverantwortlichen die Zukunft gehört, wird es leiser auf den Straßen. Beim Beschleunigen ist höchstens ein "turbinenartiges Sirren" zu hören. Mit weniger als 50 km/h sind Elektroautos sogar nahezu lautlos unterwegs, die Abrollgeräusche der Reifen oder das Zischen des Fahrtwinds sind bei diesem Tempo kaum wahrnehmbar, so berichtet in "spiegel.de".

"Schon aus Sicherheitsgründen wird es in Zukunft keine Fahrzeuge geben, die unhörbar bleiben", sagt Ralf-Gerhard Willner, Leiter Entwicklung Konzepte bei VW. "Unser Ziel ist es, Geräusche beim Fahren nicht generell zu vermeiden, sondern einen wertigen Sound mit Informationen zum Fahrzustand zu geben."VW wird voraussichtlich im Jahr 2013 das Elektroauto E-Up auf den Markt bringen. Bei der Präsentation des Kleinwagens auf der IAA fuhr VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg mit dem quietschgelb lackierten Auto auf die Bühne - und ließ den Motor brüllen. Das war eine Showeinlage, doch es wird ernsthaft darüber nachgedacht, Elektroautos mit künstlich erzeugten Motorensounds aufzupeppen und für Außenstehende akustisch wahrnehmbar zu machen. VW-Entwickler Willner: "Wir denken über künstliche Sounds nach und testen unterschiedliche Varianten mit Probandengruppen."
 
Der japanische Hersteller Nissan plant, das Elektroauto Leaf, das ab 2011 in Deutschland erhältlich sein soll, mit synthetischen Klängen auszustatten. Noch ist nichts entschieden, aber ein Sounddesigner arbeite bereits an unterschiedlichen Geräuschen.Bei Renault - wo gleich vier Elektroautotypen demnächst in Serie gehen werden - wird derzeit noch untersucht, ob spezielle Kunstgeräusche in die Modelle implantiert werden sollen. Von Lexus hört man, dass bei einem Warnton, der dem Klingeln eines Mobiltelefons nachempfunden war, keiner der Probanden in die Richtung, aus der sich der Ton näherte blickte, sondern alle in den Taschen auf der Suche nach dem Handy kramten.Die Bottroper Tuningfirma Brabus testet am Tesla Roadster einen Ton in Abhängigkeit von der Gaspedalstellung.

Brabus-Sprecher Dalibor Erakovic weist darauf hin, dass "jeglicher Sound programmiert werden könne, sofern er die nötige Emotionalität ausstrahlt". Wer den Tesla Roadster in der Serienversion fährt, wird nichts von solchen Klangtüfteleien hören, denn das Auto ist frei von künstlichen Geräuschen. "Wir glauben, es ist richtig, dass die Autos möglichst leise sind. Fahrräder werden ja auch nicht mit Soundgeneratoren ausgerüstet", sagt Craig Davis von Tesla Motors. Eine höhere Unfallgefahr, weil andere Verkehrsteilnehmer den Wagen überhören könnten, hält er für höchst unwahrscheinlich. "Dazu kommt, dass Fahrer von Elektroautos - weil sie nicht schalten müssen - stets beide Hände am Lenkrad haben. Das erhöht die aktive Sicherheit enorm."

Bei der Marke Mini, die derzeit 600 Elektrovarianten in mehreren Großstädten weltweit testet, gibt es keinerlei Soundtuning - und auch noch keinerlei Vorkommnisse, bei denen die akustische Schleichfahrt der Autos negativ auffiel. "Sinn des Feldversuchs ist es unter anderem auch, herauszubekommen, ob die Stille von Elektroautos bei langsamer Fahrt zum Problem werden kann", sagt Mini-Sprecher Cypselus von Frankenberg.


(quelle: "spiegel.de")



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