Frankreich im Zwiespalt bei Millionenförderungen für Renault
Der Druck der französischen Regierung auf Renault, den Clio weiter auch im Inland zu bauen vermittelt den Eindruck, dass die Politik nicht so recht an das von ihr subventionierte Elektroauto glaubt.
Da musste Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy höchstpersönlich ran. Im Streit über den Produktionsstandort für den Kleinwagen Clio zitierte Frankreichs oberster Industriepolitiker Renault-Chef Carlos Ghosn zu sich. Dieser verkündete nach dem Treffen, was die Regierenden hören wollten: Auch der nächste Clio soll im französischen Flins vom Band rollen. Hat sich Sarkozy durchgesetzt? Nein. Denn geklärt ist überhaupt nichts: Welcher Anteil der Gesamtproduktion des neuen Clios in Frankreich bleibt, ließ das Renault-Management bewusst offen, berichtet "handelsblatt.com". Schon heute fertigt Renault die meisten Clios in der Türkei.
Die Aufregung bietet interessante Einblicke in die wahre Motivlage der Regierung. Sie fördert zwar massiv Renaults Produktion von neuen Elektroautos. Zugleich zweifelt sie offenbar daran, dass diese wirklich Renner werden. Denn sonst könnte es Sarkozy egal sein, wo Renault den herkömmlichen Clio baut.
Der Staat spendiere Renault 100 Mio. Euro, damit das Unternehmen ab Ende 2011 das neue Elektroauto Zoé im französischen Werk in Flins produziert, wo heute auch der Clio gebaut wird. Darüber hinaus beteiligt sich der Staatsfonds FSI mit 600 Mio. Euro an einem neuen Batteriewerk, das gleich neben der Autofabrik entstehen soll. Der Staat will aktiv dafür sorgen, dass Renault in Sachen E-Auto Anschluss an die Weltspitze findet und Frankreich damit auch in Zukunft eine bedeutende Nation im Automobilbau bleibt.
Wenn das E-Auto Zoé aber solch brillante Absatzchancen hat und den Renault-Standort Flins sichern wird, wozu dann die Aufregung um den Clio? Die Debatte belegt indirekt, was niemand zugeben würde: Auch Frankreichs Regierung hegt Zweifel, wie viele Stromautos Käufer finden werden. Dann aber würden berechtigte Fragen aufkommen, was der ganze Subventionszauber für E-Autos überhaupt soll. Dass der französische Staat so auf E-Autos abfährt, ist für Zyniker das beste Indiz dafür, dass diese Autos ein Flop werden. Zu oft lagen die Industriepolitiker Frankreichs beim Aufspüren der Trends von morgen daneben.
(quelle: „handelsblatt.com“)
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